Schafe und Ziegen können nicht schwitzen — sie regulieren ihre Körpertemperatur fast ausschließlich über Hecheln und Schatten. An heißen, schwülen Sommertagen stößt das schnell an seine Grenzen. Hier erfährst du, woran du Hitzestress erkennst und wie du deine Tiere durch den Sommer bringst, ohne dass es kritisch wird.
Ab wann wird es für die Tiere kritisch?
Als Faustregel gilt: Ab etwa 25 °C Umgebungstemperatur in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit (ab ca. 70 %) beginnt die Belastung für Schafe und Ziegen spürbar zu steigen. Wiederkäuer haben dabei einen zusätzlichen Nachteil: Die bakterielle Verdauung im Pansen erzeugt selbst Wärme — die Tiere heizen sich also von innen mit auf, unabhängig von der Außentemperatur.
Symptome, auf die du achten solltest
- Schnelle, flache Atmung, geweitete Nüstern, im fortgeschrittenen Stadium sichtbares Hecheln mit offenem Maul
- Tiere suchen aktiv Schatten auf und drängen sich dort zusammen, statt normal zu grasen
- Reduzierte Futteraufnahme, besonders in den heißesten Tagesstunden
- Auffällige Trägheit, Rückzug von der übrigen Herde
- Bei starker Belastung: Unsicherheit im Gang, Muskelzittern — hier zählt jede Minute, sofort für Abkühlung sorgen und im Zweifel den Tierarzt hinzuziehen
Besonders gefährdet sind hochtragende und säugende Muttertiere, sehr junge und alte Tiere sowie Tiere mit dichtem, noch nicht geschorenem Vlies.
Vorbeugende Maßnahmen
- Schatten sicherstellen: Unterstand, Bäume oder ein Sonnensegel — an heißen Tagen muss jedes Tier eine schattige Ausweichmöglichkeit haben, nicht nur die ranghöheren Tiere
- Wasser im Überfluss: Der Wasserbedarf steigt bei Hitze deutlich, mehrere Tränkestellen sind besser als eine einzelne, an der sich die Herde drängelt
- Schurzeitpunkt mitdenken: Ein dickes, ungeschorenes Vlies staut die Hitze zusätzlich — die Hauptschur im Mai/Juni liegt bewusst vor den heißesten Wochen des Jahres. Frisch geschorene Tiere brauchen danach für einige Tage zusätzlichen Sonnenschutz, weil die Haut ungewohnt exponiert ist
- Weidezeiten anpassen: In heißen Phasen möglichst früh morgens und spätabends weiden lassen, die Mittagshitze im Schatten oder Stall verbringen lassen
- Fütterungszeiten verschieben: Kraftfutter und energiereiches Futter eher in die kühleren Tagesstunden legen, das reduziert die zusätzliche Verdauungswärme während der Hitzespitzen
- Transporte und Eingriffe vermeiden: Verladen, Klauenpflege oder andere stressige Maßnahmen an sehr heißen Tagen nach Möglichkeit auf die frühen Morgenstunden verschieben oder auf einen kühleren Tag verlegen
Was tun, wenn ein Tier bereits deutliche Anzeichen zeigt?
Sofort für Schatten und Zugang zu Wasser sorgen, das Tier möglichst wenig zusätzlich stressen (kein Treiben, kein Verladen). Bei starkem Hecheln mit offenem Maul, Muskelzittern oder Unsicherheit im Gang handelt es sich um einen Notfall — hier zählt schnelles Handeln, sprich umgehend mit deinem Tierarzt.
Was am Ende zählt
Hitzestress lässt sich bei Schafen und Ziegen mit einfachen Mitteln weitgehend vermeiden: Schatten, ausreichend Wasser und ein Blick auf Schur- und Fütterungszeitpunkte reichen in den meisten Fällen aus. Wer an heißen Tagen zusätzlich einmal mehr durch die Herde schaut, erkennt Probleme frühzeitig — bevor aus Unwohlsein ein echter Notfall wird.