Klauenpflege ist keine Kür – sie ist Pflicht. Vernachlässigte Klauen führen zu Lahmheit, Schmerzen, Gewichtsverlust und im schlimmsten Fall zu Moderhinke oder Klauenfäule. Wer zweimal jährlich die Klauen schneidet, verhindert die meisten Probleme, bevor sie entstehen. Dieser Ratgeber zeigt, wie es geht – bei Schafen und Ziegen.
Warum Klauenpflege so wichtig ist
Im natürlichen Umfeld auf felsigem Untergrund würden sich Klauen selbst abnutzen. In der Haltung auf weichem Boden oder Gras wachsen sie unkontrolliert – nach innen, nach vorne, oder sie bilden Taschen, in denen Schmutz und Feuchtigkeit bleiben. Das Ergebnis:
- Lahmheit durch Fehlstellung und Druckpunkte
- Klauenfäule und Moderhinke durch mangelnde Hygiene
- Schlechte Körperkondition durch Schmerzen beim Fressen und Laufen
- Verminderte Fruchtbarkeit (vor allem bei Böcken und Widdern)
Wie oft muss ich die Klauen schneiden?
Als Faustregel gilt: mindestens zweimal jährlich – einmal im Frühjahr (vor der Weidezeit) und einmal im Herbst (vor dem Aufstallen). Bei folgenden Bedingungen öfter:
- Weicher, feuchter Boden (fördert schnelleres Wachstum)
- Nach einem Moderhinke-Ausbruch (regelmäßige Kontrolle aller Tiere)
- Alte oder chronisch kranke Tiere
- Tiere auf engem Raum ohne viel Bewegung
Werkzeug
Das richtige Werkzeug macht die Arbeit deutlich einfacher:
- Klauenmesser: Scharf, kurze Klinge, gebogen – für feine Schnitte und schwierige Winkel
- Klauenschere / Klauenzange: Für grobe Erstschnitte und stark überwachsenes Horn
- Schleifstein oder Wetzstahl: Messer zwischendurch immer wieder schärfen – stumpfes Werkzeug ist die Hauptursache für schlechte Schnittergebnisse
- Klauenbadwanne oder Fußbad: Nach dem Schnitt, v.a. bei Verdacht auf Infektion
- Oxytetracyclin-Spray: Als Sofortmaßnahme bei Entzündungen oder frischen Wunden
- Schutzhandschuhe: Schmutz, Gülle, ggf. Blut – Handschuhe sind Pflicht
Wie geht Klauenpflege? Schritt für Schritt
Das Tier fixieren – entweder auf einem Schertisch (Kippbock), auf der Seite oder zwischen den Beinen des Halters. Dann:
- Schritt 1: Schmutz entfernen, Klaue begutachten – Schwellung? Geruch? Hornlösung?
- Schritt 2: Überwachsene Wände gerade schneiden – das Horn sollte parallel zur Sohlenfläche abschließen
- Schritt 3: Sohle reinigen und leicht aushöhlen – feuchtes, morsches Horn entfernen
- Schritt 4: Zwischenklauenspalt freilegen und reinigen
- Schritt 5: Abschluss – Klaue sollte gerade stehen, Tier sollte gleichmäßig auftreten können
Zu viel schneiden ist schlechter als zu wenig – lieber mehrere kleine Schnitte als einmal zu tief. Wenn es rosa wird oder leicht blutet, sofort stoppen und desinfizieren.
Besonderheiten bei Ziegen
Ziegen haben tendenziell schneller wachsendes Horn als Schafe und neigen stärker zu eingerollten Klauen. Zusätzlich:
- Ziegen stehen auf hartem Untergrund besser – Klauenpflege kann etwas seltener nötig sein
- Zwergziegen: Klauen klein, aber trotzdem regelmäßig kontrollieren
- Böcke: Klauen oft stärker belastet durch Sprungverhalten – öfter kontrollieren
Klauenbad als Ergänzung
Nach dem Schnitt oder prophylaktisch: Klauenbad mit 10%igem Zinksulfat oder 3–5%igem Formaldehyd. Wirksamkeit:
- Zinksulfat: Wirksam, umweltverträglich, keine Hautreizung bei korrekter Konzentration
- Formaldehyd: Stärker, aber aggressiver – auf Haut und Schleimhäute achten, Sicherheitsvorschriften beachten
- Dauer: Mindestens 1 Minute stehen lassen; tägliches Bad für 5–7 Tage bei Infektion
Wann zum Tierarzt?
- Starker Geruch und Hornlösung über Grad 2 hinaus
- Schwellung im Fesselbereich (Phlegmone)
- Mehrere Tiere gleichzeitig betroffen
- Kein Ansprechen auf Heimbehandlung nach 5–7 Tagen
Mein Fazit
Klauenpflege ist lernbar. Wer einmal mit einem erfahrenen Halter oder einem Klauenpfleger gearbeitet hat, traut sich die Sache selbst zu – und spart langfristig Tierarztkosten und Tierleid. Ich schneide meine Tiere selbst und halte das für eine der wertvollsten Grundfertigkeiten in der Schaf- und Ziegenhaltung.