Die Blauzungenkrankheit ist für Schafhalter kein theoretisches Thema mehr, sondern in den vergangenen Jahren immer wieder akut geworden. Hier bekommst du den aktuellen Stand, die wichtigsten Symptome und was du zur Impfung wissen solltest.
Was ist die Blauzungenkrankheit?
Die Blauzungenkrankheit (Bluetongue Disease, BT) ist eine anzeigepflichtige Viruserkrankung, die durch eine bestimmte Mückenart – Gnitzen – von Tier zu Tier übertragen wird. Sie tritt deshalb vor allem in der warmen Jahreszeit auf, mit einem Höhepunkt bei feuchtwarmer Witterung, wenn die Gnitzenpopulation am größten ist. In Deutschland zirkulieren aktuell die Serotypen BTV-3 und BTV-8 – zwischen beiden besteht keine Kreuzimmunität, das heißt: Eine Impfung gegen den einen Serotyp schützt nicht automatisch vor dem anderen.
Warum Schafe besonders gefährdet sind
Rinder und Schafe sind die am stärksten betroffenen Nutztierarten, wobei die Krankheit bei Schafen häufiger schwer und mit tödlichem Ausgang verläuft als bei Rindern, die die Infektion oft eher subklinisch durchmachen. Das macht die Erkrankung für Schafhalter wirtschaftlich besonders relevant.
Mögliche Symptome
Der Verlauf kann sehr unterschiedlich ausfallen, von symptomlos bis schwer. Achte auf:
- Fieber und allgemeine Mattigkeit
- Schwellungen im Kopfbereich, an Lippen, Zunge und Maulschleimhaut
- Rötungen bzw. bläuliche Verfärbung der Maulschleimhaut (daher der Name der Krankheit)
- Lahmheit durch Entzündungen im Klauenbereich (Kronsaum)
- Verminderte Fruchtbarkeit, Aborte oder Missbildungen bei tragenden Tieren
Wichtig: Diese Aufzählung ersetzt keine Diagnose. Bei Verdacht auf Blauzungenkrankheit unbedingt sofort den Tierarzt kontaktieren. Die Krankheit ist in Deutschland anzeigepflichtig, das heißt, ein bestätigter Fall muss dem zuständigen Veterinäramt gemeldet werden.
Impfung – der aktuelle Stand
Das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) ruft Tierhalter ausdrücklich dazu auf, ihre Rinder und Schafe rechtzeitig vor Beginn der warmen Jahreszeit impfen zu lassen – am besten, bevor im späten Frühling die Gnitzensaison beginnt. Mittlerweile stehen EU-zugelassene Impfstoffe sowohl gegen BTV-3 als auch gegen BTV-8 zur Verfügung. Da keine Kreuzimmunität zwischen den Serotypen besteht, ist eine Impfung gegen beide notwendig, wenn du gegen beide Varianten schützen willst.
Impfzuschuss: Viele Bundesländer bezuschussen die Impfung über die jeweilige Tierseuchenkasse – die Höhe variiert regional, 2026 z. B. 1 € je Impfung in Baden-Württemberg und Bayern, 2 € je Impfung in Thüringen (5 € für die ersten zehn Impfungen je Betrieb und Jahr). Am besten direkt bei deiner zuständigen Tierseuchenkasse nachfragen, was aktuell für dein Bundesland gilt.
Rechtliche Einstufung im Wandel
Die Blauzungenkrankheit ist im EU-Tierseuchenrecht aktuell noch als „C+D+E-Seuche“ eingestuft – das bedeutet unter anderem Sperrzonen und Handelsbeschränkungen für den Tierverkehr. Nach der Durchführungsverordnung (EU) 2026/169 sollte die Einstufung eigentlich zum 15. Juli 2026 auf „D+E“ herabgestuft werden, was die Sperrzonen-Regelungen deutlich vereinfacht hätte. Stand jetzt verzögert sich das aber: Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht davon aus, dass die neuen Regeln frühestens ab Oktober 2026 angewendet werden. Bis dahin gelten die bisherigen Sperrzonen- und Handelsregeln unverändert weiter. Bei Tiertransporten oder -verkäufen lohnt sich ein aktueller Check beim zuständigen Veterinäramt, da sich hier kurzfristig etwas ändern kann.
Was du konkret tun solltest
- Rechtzeitig vor dem Frühjahr mit deinem Tierarzt über eine Impfung sprechen – nicht erst, wenn die Gnitzensaison schon begonnen hat
- Herde regelmäßig auf die genannten Symptome hin beobachten, besonders in den warmen Monaten
- Bei Verdachtsfällen sofort den Tierarzt informieren, statt abzuwarten
- Aktuelle Meldungen und regionale Ausbrüche über die Tierseuchen-Informationsseite deines Bundeslandes oder deiner Tierseuchenkasse im Blick behalten, da sich die Lage von Region zu Region und im Jahresverlauf ändert
Zusammengefasst
Die Blauzungenkrankheit ist aktuell mit zwei Serotypen (BTV-3, BTV-8) in Deutschland präsent und kann bei Schafen schwer verlaufen. Eine rechtzeitige Impfung vor der Gnitzensaison ist derzeit die wirksamste Schutzmaßnahme. Sprich das konkret mit deinem Tierarzt ab, da sich Impfstoffverfügbarkeit und Seuchenlage von Jahr zu Jahr ändern können.