Die Herbstzeitlose gehört zu den giftigsten Pflanzen, die auf deutschen Wiesen wachsen – und sie versteckt sich clever: Blüte im Herbst, Blätter und Samenkapsel erst im Frühjahr, wenn sie längst im hohen Gras untergehen. Hier erfährst du, wie gefährlich sie für Schafe und Ziegen wirklich ist und worauf du achten musst.
Wie giftig ist die Herbstzeitlose wirklich?
Alle Pflanzenteile der Herbstzeitlose enthalten das Gift Colchicin in ausreichend hoher Konzentration, um eine Vergiftung auszulösen – am höchsten konzentriert in der Blüte, aber auch Blätter, Samen und Knolle sind stark giftig. Interessanterweise scheinen Schafe und Ziegen die Blätter im Vergleich zu anderen Nutztieren wie Pferden und Rindern etwas besser zu vertragen und teilweise sogar ohne sichtbare Beschwerden zu fressen.
Das entwarnt aber nicht vollständig:
- Das Colchicin geht in die Milch über – relevant, wenn du Milch oder Milchprodukte deiner Tiere verwertest oder verkaufst
- Bei ausreichend hoher aufgenommener Menge sind auch Schafe und Ziegen gefährdet
- Die Giftigkeit bleibt auch in Heu und Silage vollständig erhalten. Getrocknete oder konservierte Pflanzenteile werden von den Tieren nicht als Gefahr erkannt und mitgefressen
Vergiftungssymptome
Bei einer Vergiftung können auftreten: Schluckbeschwerden, vermehrtes Speicheln, starker Durst, Erbrechen, blutiger Durchfall, blutiger Harn, bis hin zu Atemlähmung, Kreislaufversagen und Nierenschädigung in schweren Fällen. Bei Verdacht auf eine Vergiftung zählt jede Stunde – sofort den Tierarzt kontaktieren, nicht abwarten, ob sich die Symptome von selbst bessern.
Wann und wie du sie erkennst
Die Herbstzeitlose ist tückisch, weil Blüte und Blätter zu unterschiedlichen Zeiten erscheinen:
- Herbst: nur die rosa-violette Blüte erscheint, ohne Blätter. Gut sichtbar auf der Weide
- Frühjahr: breite, glänzende Blätter und die Samenkapsel wachsen, während die Blüte längst verwelkt ist. Genau hier liegt die Gefahr, weil die Pflanze im aufkommenden Frühjahrsgras leicht übersehen wird
Die wichtigste Kontrolle ist deshalb im zeitigen Frühjahr, wenn die Blattrosetten noch gut von anderem Aufwuchs zu unterscheiden sind. Nicht erst, wenn die Wiese schon dicht steht.
Was du tun solltest
- Fläche im Frühjahr gezielt nach Blattrosetten der Herbstzeitlose absuchen
- Einzelpflanzen konsequent ausstechen (samt Zwiebel/Knolle), bevor sie sich weiter ausbreiten
- Beim Zukauf von Heu auf die Herkunft achten – Heu von Flächen mit bekanntem Herbstzeitlosen-Bestand meiden oder die Charge genau prüfen
- Bei starkem Befall größerer Flächen ggf. professionelle Beratung zur Bekämpfung einholen, da eine reine mechanische Entfernung bei großen Beständen aufwendig ist
Kurz gesagt
Schafe und Ziegen vertragen die Herbstzeitlose etwas besser als andere Weidetiere, aber „besser“ heißt nicht „ungefährlich“ – vor allem wegen des Übergangs in die Milch und der erhaltenen Giftigkeit im Heu. Wer im Frühjahr systematisch nach den Blattrosetten schaut und Einzelpflanzen konsequent entfernt, minimiert das Risiko deutlich. Bei Vergiftungsverdacht gilt: sofort zum Tierarzt, nicht abwarten.