Streuobstwiesen mit Schafen zu pflegen ist eine der schönsten Formen der Landschaftspflege — aber auch eine, bei der ein Fehler in der Beweidungsführung schnell teure Folgen für deine Obstbäume hat. Hier erfährst du, worauf es ankommt.
Warum Schafe gut zu Streuobstwiesen passen
Schafe (wie auch Rinder) eignen sich für die Beweidung von Streuobstwiesen deutlich besser als Pferde — Pferde reichen mit dem Maul höher an die Äste heran und schädigen zudem die Grasnarbe stärker. Schafe halten den Unterwuchs kurz, ohne die Baumkronen zu erreichen, solange die Bäume nicht zu jung oder zu niedrig sind.
Das eigentliche Risiko: Rindenverbiss
Der Knackpunkt bei der Schafbeweidung auf Streuobstwiesen ist nicht das Fressen der Grasnarbe, sondern der Rindenverbiss an den Baumstämmen. Das passiert vor allem dann, wenn die Tiere gelangweilt sind oder bei schlechtem Wetter wenig anderes zu tun haben.
Praxisregel: Eine kurze, intensiv gehütete oder eng geführte Beweidung mit vielen Tieren ist deutlich schonender für die Bäume als eine lange, lockere Dauerbeweidung mit wenigen Schafen. Je länger die Tiere auf derselben Fläche stehen und je weniger frisches Futter verfügbar ist, desto eher wenden sie sich der Baumrinde zu.
Stammschutz für junge Bäume
Junge und mittelalte Bäume solltest du unbedingt schützen, bevor du die Fläche beweidest:
- Verbissschutz-Zaun: rund 1,30 m hoher Zaun um den Stamm, meist mit drei Holzpfosten befestigt — die zuverlässigste Methode
- Bestreichen des Stamms: mit Schafkot oder -fett dick eingestrichen, wirkt abschreckend auf den Geschmack — funktioniert, ist aber weniger dauerhaft als ein physischer Schutz und muss regelmäßig erneuert werden
Alte, kräftige Bäume mit dicker, verholzter Rinde brauchen in der Regel keinen zusätzlichen Schutz mehr.
Gibt es „die“ passende Rasse?
Der Schäfer bzw. die Beweidungsführung spielt eine größere Rolle als die Rasse selbst — jede Rasse hat eigene Eigenheiten, die sich durch gutes Herdenmanagement ausgleichen lassen. Ein Punkt lohnt sich trotzdem zu wissen: Manche Rassen, etwa das Engadinerschaf, knabbern besonders gerne an Rinde und Gehölzen — bei dieser Rasse ist ein konsequenter Stammschutz umso wichtiger.
Praktische Umsetzung
- Fläche in mehrere Koppeln aufteilen, um die Beweidungsdauer pro Abschnitt kurz zu halten
- Bäume vor dem ersten Austrieb prüfen und, wo nötig, mit Stammschutz versehen
- Bei auffälligem Verbiss trotz Schutzmaßnahmen die Beweidungsdauer weiter verkürzen oder die Herdengröße anpassen
Kurz gesagt
Schafe und Streuobstwiesen passen gut zusammen — solange du die Beweidung kurz und intensiv statt lang und lückenhaft gestaltest und junge Bäume konsequent schützt. Wer das beachtet, bekommt eine gepflegte Wiese und gesunde Bäume gleichzeitig, statt am Ende doch noch nachpflanzen zu müssen.