Ein Leckstein klingt erstmal nach einer Nebensächlichkeit im Stall, ist aber ein einfaches und wirksames Werkzeug, um deine Tiere bedarfsgerecht mit Mineralien zu versorgen. Der Haken: Nicht jeder Leckstein passt für jede Tierart, und beim Kupfergehalt kannst du bei Schafen einiges falsch machen. Hier bekommst du den Überblick.
Warum überhaupt Lecksteine?
Weidegras und Heu decken längst nicht immer den vollen Mineralstoffbedarf ab. Je nach Boden, Wachstumsphase und Aufwuchs können Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Jod oder Selen fehlen. Über einen Leckstein können die Tiere selbst regulieren, wie viel sie davon aufnehmen: Sie lecken nach Bedarf, nicht nach Vorgabe. Das ist deutlich praxisnäher, als eine feste Menge Mineralfutter unters Kraftfutter zu mischen.
Der wichtigste Punkt zuerst: Kupfer
Schafe sind ausgesprochen kupferempfindlich, deutlich empfindlicher als Ziegen oder Rinder. Wird über längere Zeit zu viel Kupfer aufgenommen, drohen ernsthafte gesundheitliche Folgen:
- Chronische Kupfervergiftung: Apathie, Fressunlust, Abmagerung, spröde und stumpfe Wolle, Durchfall, der auf Behandlung schlecht anspricht
- Akute Kupfervergiftung (seltener, aber gefährlicher): starkes Speicheln, Erbrechen, Koliksymptome, Krämpfe. Kann innerhalb kurzer Zeit tödlich enden
Die gesetzliche Obergrenze für Kupfer in Alleinfuttermitteln für Schafe liegt bei 15 mg/kg Trockensubstanz. Eine der häufigsten Ursachen für Vergiftungen in der Praxis: aus Versehen Rinder- oder Pferdemineralfutter an Schafe verfüttert, weil es gerade greifbar war. Deshalb gilt ganz klar:
Für Schafe nur ausdrücklich kupferfreie oder kupferarme Lecksteine verwenden. Niemals Rinder- oder Pferdeprodukte „mitbenutzen“.
Ziegen vertragen Kupfer deutlich besser und haben teils sogar einen höheren Bedarf. Bei gemischter Schaf-Ziegen-Haltung ist deshalb Vorsicht geboten, welcher Leckstein wem zugänglich ist.
Salzleckstein oder Mineralleckstein?
- Salzlecksteine: reines oder fast reines Natriumchlorid, decken den Grundbedarf an Salz, den Weide und Heu meist nicht ausreichend liefern.
- Minerallecksteine: enthalten zusätzlich Spurenelemente wie Zink, Jod, Selen und (je nach Tierart) Kupfer, oft ergänzt um Vitamine.
In der Praxis bewährt es sich, beide Varianten parallel anzubieten. Dann können die Tiere selbst wählen, was sie gerade brauchen, statt dass du raten musst.
Praktische Anbringung
- Leckstein-Halter an Zaunpfosten oder einer festen Struktur montieren, statt den Stein lose auf den Boden zu legen – sonst zieht er Feuchtigkeit und Verschmutzung.
- An einer überdachten Stelle platzieren, wenn möglich. Ungeschützt im Regen löst sich der Stein schneller auf und wird unötig verbraucht.
- Erreichbarkeit für alle Tiere der Herde sicherstellen, auch für ranghöhere und rangniedere Tiere. Sonst kommen schwächere Tiere gar nicht erst zum Zug.
Worauf du beim Kauf achten solltest
- Deklaration lesen: Kupfergehalt explizit prüfen, besonders wichtig bei reiner Schafhaltung
- Tierart auf der Verpackung: Produkte, die ausdrücklich für Schafe oder kleine Wiederkäuer ausgelobt sind, bevorzugen
- Herkunft und Qualität: auf seriöse Hersteller mit nachvollziehbarer Rezeptur setzen, nicht das günstigste x-beliebige Produkt vom Wühltisch
Kurz gesagt
Ein Leckstein ersetzt kein durchdachtes Fütterungskonzept, aber er ist eine einfache Ergänzung mit echtem Nutzen. Der eine Punkt, den du dir merken solltest: Bei Schafen niemals kupferhaltige Rinder- oder Pferdeprodukte verwenden — das ist der häufigste Fehler, der in der Praxis zu echten Problemen führt. Im Zweifel lieber beim Tierarzt oder der Fütterungsberatung nachfragen, welches Produkt zu deiner Herde passt.