Die Bonitur ist die fachliche Beurteilung der Wollqualität eines Vlieses – bewertet werden unter anderem Faserfeinheit (Mikrometer-Durchmesser), Faserlänge, Gleichmäßigkeit, Kräuselung, Glanz und Verschmutzungsgrad. Auf dieser Grundlage wird Wolle in Qualitätsklassen eingeteilt, die über ihren Verwendungszweck und Preis entscheiden.
Feine, gleichmäßige Wolle mit geringem Faserdurchmesser eignet sich für hautnahe Bekleidung, während gröbere Wolle eher für Teppiche, Filzarbeiten oder technische Anwendungen genutzt wird. Rasse, Fütterung, Gesundheitszustand und Haltungsbedingungen beeinflussen die Wollqualität erheblich – Stress oder Futterknappheit können zu dünneren, brüchigeren Stellen im Vlies führen, sogenannten „Sollbruchstellen“.
Für Halter, die Wolle direkt vermarkten wollen, lohnt sich ein Grundverständnis der Bonitur: Wer die Qualität seiner Wolle realistisch einschätzen kann, findet leichter die passenden Abnehmer – vom Handspinner bis zur Filzwerkstatt.