Nach dem Winter sind die meisten Weideflächen uneben, durchweicht und lückenhaft — bevor die Herde wieder raus darf, lohnt sich ein systematischer Check. Wer hier ein paar Tage investiert, hat übers Jahr weniger Parasitenprobleme, eine bessere Grasnarbe und weniger Ärger am Zaun.
Zaun und Weidetechnik prüfen
Vor dem ersten Austrieb Zäune komplett ablaufen, nicht nur oberflächlich draufschauen:
- Pfosten auf Standfestigkeit prüfen, vom Frost gelockerte nachsetzen
- Litzen und Netze auf Beschädigungen durch Wind, Wild oder herabgefallene Äste kontrollieren
- Weidezaungerät und Erdung testen (siehe unser separater Ratgeber zum Erden des Weidezauns)
- Tore und Durchgänge auf Funktion prüfen
Weidepflege: Schleppen, Walzen, Nachsäen
- Schleppen: Maulwurfshügel, Mäusegänge und Trittschäden einebnen — verhindert, dass Erde ins Futter gerät und die Tiere Fressflächen meiden. Eine der wichtigsten Pflegemaßnahmen im zeitigen Frühjahr.
- Walzen: stellt bei aufgefrorenem Boden wieder Bodenschluss her, sorgt für eine ebene Fläche und fördert die Bestockung der Gräser — sinnvoll vor allem auf Flächen, die über den Winter stark gelitten haben.
- Nachsäen: Sind mehr als etwa 15 % der Fläche lückenhaft, lohnt sich eine gezielte Nachsaat mit einem Grünlandstriegel, der Saatgut und Boden in Kontakt bringt — sonst geht ein Großteil der Saat einfach verloren.
Auf Giftpflanzen kontrollieren
Vor dem Austrieb die Fläche gezielt nach Giftpflanzen absuchen — besonders Herbstzeitlose-Rosetten, die im Frühjahr gut erkennbar sind, bevor sie in der Wiese untergehen. Mehr dazu in unserem separaten Ratgeber zu Herbstzeitlosen auf der Weide.
Tiere selbst auf den Weidestart vorbereiten
Der Weidestart betrifft nicht nur die Fläche, sondern auch die Tiere:
- Fütterung langsam umstellen: über 10–14 Tage schrittweise an das frische Gras gewöhnen, nicht abrupt von Heu auf Weide umstellen — sonst drohen Verdauungsprobleme.
- Stundenweise angewöhnen: den ersten Austrieb nach einer Sattfütterung im Stall und zunächst nur für wenige Stunden ansetzen, dann schrittweise verlängern.
- Schur, Klauenschnitt, Entwurmung: idealerweise vor dem Austrieb erledigen. Die Schur deckt auch einen möglichen Außenparasitenbefall auf und beugt Hitzestress im Sommer vor.
Zur Entwurmung lohnt sich ein Blick in unseren separaten Ratgeber zur selektiven Entwurmung — pauschal jedes Tier zu behandeln ist weder nötig noch sinnvoll.
Tränken und Unterstände
- Tränken auf Funktion und Sauberkeit prüfen, besonders wenn sie über Winter eingefroren oder nicht genutzt wurden
- Unterstände auf Schäden durch Schnee- oder Windlast kontrollieren, bevor sie wieder gebraucht werden
Was am Ende zählt
Die Weidevorbereitung im Frühjahr ist kein einzelner Termin, sondern eine Reihe kleinerer Aufgaben, die sich über ein paar Wochen verteilen lassen — Zaun, Fläche, Tiere, Technik. Wer hier gründlich ist, statt die Tiere einfach „irgendwann“ rauszulassen, sammelt sich weniger Ärger für den Rest der Saison an.